Alles Wichtige auf einen Blick
Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins erstmals 2023 angehoben – um 25 Basispunkte auf 2,25%. Wegen des Konflikts in Nahost war die Eurorauminflation von 3,0% im April auf 3,2% im Mai gestiegen. Um „die stärkeren Auswirkungen des Krieges“ widerzuspiegeln, hat die EZB ihren Inflationsausblick nach oben revidiert und ihre Wachstumsprognose gesenkt. Sie geht jetzt davon aus, dass die durchschnittliche Inflation 2026 bei 3,0% und 2027 bei 2,3% liegen wird. Im März war sie noch von 2,6% und 2,0% prognostiziert. Zudem rechnet die EZB für den Euroraum nun mit einem Wirtschaftswachstum von nur noch durchschnittlich 0,8% im laufenden und 1,2% im kommenden Jahr, gegenüber zuvor geschätzten 0,9% und 1,3%.
Nachrichten aus aller Welt
Die US-Jahresinflation ist von 3,8% im April auf ein 3-Jahres-Hoch von 4,2% im Mai gestiegen. Hintergrund sind die im Zuge der Nahostkrise höheren Energiekosten. Die Kerninflation, bei der Energie und Lebensmittel unberücksichtigt bleiben, hat im Mai leicht auf 2,9% zugelegt, nach 2,8% im Vormonat. Es wird nach wie vor davon ausgegangen, dass die US-Notenbank Fed auf ihrer Sitzung in dieser Woche die Zinsen stabil halten wird. Allerdings ist nach Ansicht der Märkte eine Leitzinserhöhung im weiteren Jahresverlauf wahrscheinlicher geworden. In China ist die Jahresinflation mit 1,2% im Mai gegenüber April stabil geblieben.
Zahl im Fokus: 1,8%
Revidierten Zahlen zufolge war das Wachstum der japanischen Wirtschaft im 1. Quartal 2026 mit 1,8% zwar weniger hoch als erwartet, lag aber immer noch über der Messung im 4. Quartal. Ursprünglich war das BIP-Wachstum sogar auf 2,1% geschätzt worden. Am Ende lag es aber zumindest über den nach unten korrigierten 0,7% aus dem 4. Quartal. Der Grund für die Abwärtsrevision der Wachstumsrate für das 1. Quartal waren die niedrigeren Investitionen. Viele Unternehmen sind angesichts der ungewissen geopolitischen und gesamtwirtschaftlichen Lage sparsamer geworden. Der Markt rechnet mehrheitlich damit, dass die Bank of Japan ihre Zinsen auf ihrer Sitzung in dieser Woche um 25 Basispunkte auf 1% erhöhen wird.
Grafik der Woche
Die Ertragskraft der US-Unternehmen hat im 1. Quartal erneut zugelegt, sodass sich der Vorsprung gegenüber europäischen Firmen weiter vergrößert. Zwar ist insbesondere auf Sektorebene fraglich, ob sich derart hohe Gewinnmargen nachhaltig in die Zukunft fortschreiben lassen, doch rückt der aktuelle Trend die relativen Aktienmarktbewertungen in ein neues Licht. So liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 unter Berücksichtigung der Unterschiede zwischen den Gewinnmargen deutlich näher an jenem des STOXX Europe 600. Der Bewertungsabstand zwischen Europa und den USA aufgrund des raschen und disruptiven technologischen Wandels signalisiert einen Produktivitätsschub, der an die 1990er-Jahre erinnert.

Wissenswert
Chip-Gesetz 2.0: Die Europäische Kommission hat neue Maßnahmen zur Förderung ihrer Halbleiterindustrie vorgestellt, die an das ursprüngliche Chip-Gesetz aus dem Jahr 2023 anknüpfen. Diese Neuauflage fügt sich in das breiter angelegte Europäische Paket zur technologischen Souveränität ein, mit dem die EK die Kapazitäten Europas bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz sowie von Cloud- und Open-Source-Technologien ausbauen, die Abhängigkeit von anderen Märkten verringern sowie die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz der EU erhöhen möchte. Beabsichtigt sind zudem eine Verdreifachung der europäischen Rechenzentrumskapazitäten in den kommenden fünf bis sieben Jahren und die Unterstützung einer besseren Abstimmung der KI-Strategien der einzelnen Mitgliedstaaten.
Das bringt die Woche
Diese Woche steht die Geldpolitik im Mittelpunkt. Am Dienstag halten die BoJ und die Reserve Bank of Australia ihre Zinssitzungen ab. Die Fed tagt am Mittwoch zum Zinsentscheid, gefolgt von der Bank of England am Donnerstag. Für Mittwoch sind aktuelle Inflationsdaten aus dem Euroraum und Großbritannien zu erwarten. Am Freitag erscheinen Zahlen zur Teuerung in Japan.
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